1. Riester Bausparen - Die Vorgeschichte
Das System der gesetzlichen Rentenversicherung ist so wie wir es heute kennen erst nach dem zweiten Weltkrieg eingeführt worden. Zu dem damaligen Zeitpunkt stand man vor der Situation, dass man sofort eine große Anzahl von Rentnern versorgen musste, es also nicht möglich war, den Menschen durch langfristiges Ansparen von Beiträgen den Aufbau einer kapitalgedeckten Altersvorsorge abzuverlangen. Hinzu kam, dass sich Deutschland in den frühen 50er Jahren in einem grandiosen Aufschwung befand (Wirtschaftswunder) und nahezu Vollbeschäftigung herrschte. Die Rahmenbedingungen waren also optimal, um die notwenigen Schritte einzuleiten. Das Ergebnis war die staatliche Rentenversicherung wie wir sie heute noch kennen - ein vollkommen umlagefinanziertes System (dass die staatliche Rentenversicherung ohne den Zuschuss von Steuergeldern schon lange pleite wäre, lassen wir an dieser Stelle einfach mal außer Acht)."Umlagefinanziert" - das bedeutet, dass diejenigen Menschen, die aktuell Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung entrichten, die Rente der aktuellen Rentner finanzieren. Sobald sie dann selber ins Rentenalter kommen steht, zumindest in der Theorie, schon die nächste Generation bereit, um ihrerseits die Versorgung für die "neuen" Rentner aufzubringen.
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Der demographische Wandel und die technische Entwicklung verändern alles
Einige grundsätzliche Probleme wurden dabei allerdings übersehen, bzw. man befand sich zum Zeitpunkt der Entwicklung des Systems in einer so fundamental gesunden Gesamtsituation, dass man nie gedacht hätte, dass diese Probleme überhaupt möglich wären. Eines dieser Defizite hat sich dabei inzwischen zu DEM Hauptproblem der gesetzlichen Rentenversicherung entwickelt: Was passiert, wenn es plötzlich immer weniger Beitragszahler gibt?Das Ergebnis kennen wir inzwischen: Das System kränkelt enorm. Bedingt durch den weit verbreiteten Wohlstand und ein damit verbundenes Umdenken der Menschen ist es heute sehr verbreitet, dass viele (Ehe) Paare sich dazu entschließen, keine Kinder, oder nur ein Kind, in die Welt zu setzen. Da aber zwei Kinder pro Ehe das Minimum sind, um ein Absinken der Bevölkerungszahl zu verhindern, ist klar, dass es auch immer weniger Einzahler in die gesetzliche Rentenkasse gibt. Dieser Wandel des demographischen Systems stellt heute das größte Problem aller Träger der gesetzlichen Rentenversicherung dar.
Hinzu kam und kommt aber noch ein weiteres Problem: Bedingt durch den wirtschaftlichen Fortschritt und den hohen Technisierungsgrad in unserer Gesellschaft wird es immer weniger notwendig, teures Humankapital zu unterhalten. Oder, anders ausgedrückt: Maschinen übernehmen immer öfters die Arbeit, die noch bis vor wenigen Jahrzehnten ausschließlich von Menschen erledigt wurde. Der Mensch hat jedoch, ganz im Gegensatz zur Maschine, jeden Monat seinen Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung entrichtet. Die so fehlenden Beiträge sind nur sehr schwer zu kompensieren.
Aber nicht nur die zunehmende Technisierung macht der Rentenversicherung schwer zu schaffen. Auch die Globalisierung an sich ist ein nicht von der Hand zu weisendes Problem für die gesetzlichen Rentenversicherungsträger, da immer mehr Jobs einfach ins Ausland abwandern. Während die Firmen nämlich früher hauptsächlich kleine bis mittelständische Unternehmen waren, die mit viel Verantwortung für ihre Mitarbeiter gesorgt haben, ist es heute vermehrt so, dass die Firmen von multinationalen Konzernen geleitet werden, denen es herzlich egal ist, ob eine bestimmte Ware nun in Deutschland, in Polen oder in Thailand gefertigt wird.
Ein gutes Beispiel gibt hier die Textilindustrie: Während ein deutscher Arbeiter ungefähr drei mal so viel verdient wie ein thailändischer, beträgt der Transportpreis für ein T-Shirt von Thailand nach Deutschland weniger als 2 Cent. Es ist also leicht nachzuvollziehen, dass die Unternehmen ihre Produktionsstätten mehr und mehr ins Ausland verlagern und so Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen – alles Menschen, die vorher in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.
Zu lange gewartet aber die 90er Jahre bringen endlich Veränderungen
Lange Jahre hat die Politik es vermieden, die Probleme der gesetzlichen Renten anzuerkennen und konkrete Lösungsvorschläge auszuarbeiten. Erst in den letzten Jahren, als die Probleme für keinen Menschen mehr zu übersehen waren, haben sich zunehmend Stimmen erhoben, die das System als ganzes auf den Prüfstand stellten. Das Ergebnis waren viele Jahre der Diskussionen und des Ausarbeitens von Lösungsvorschlägen. Schlussendlich gibt es jedoch bis heute keine allumfassende Lösung - das ist leider die bittere Wahrheit!Ein echter Lichtblick ist jedoch die Tatsache, dass die Politiker inzwischen davon abgekommen sind, zu behaupten "die Rente sei sicher" (Norbert Blühm) und vielmehr eingestehen, dass das System eigentlich am Ende seiner Kräfte angelangt ist.
Im Jahre 1950 haben noch 14 Beitragszahler die Rente für einen Rentner erwirtschaftet, im Jahre 2008 waren es bereits nur noch 4. Wenn die demographische Entwicklung sich so weiter fortsetzt – und es gibt derzeit nichts, was dagegen sprechen würde – dann wird sich spätestens im Jahre 2030 die Situation ergeben, dass jeder Arbeitnehmer einem Rentner die Rente finanzieren muss. Entweder bekommt der Rentner dann deutlich weniger als heute oder der Beitragszahler zahlt wesentlich mehr. Da Letzteres wohl nicht in dem Maße durchgesetzt werden kann, ist es absehbar, dass die Renten auch in den kommenden Jahren immer weiter abgesenkt werden müssen.
Arbeitsminister Walter Riester erfindet die Riester-Rente:
Gute Lösungsansätze sind dabei jedoch bereits umgesetzt. So steht seit einigen Jahren in allen Rentenbescheiden, die Einzahler in die gesetzliche Rente von ihren Versorgungsträgern erhalten, dass die Zahlunglten aus der gesetzlichen Rente allein wohl kaum ausreichen werden, um den Bürgern einen guten und ausreichenden Lebensstandart im Alter zu finanzieren. Man solle, so der O-Ton, doch zusehen, dass man sich durch eine private, kapitalgedeckt Vorsorge ein zusätzliches Polster für den Ruhestand aufbaut.Wesentlich besser als dieser fromme Wunsch ist jedoch der Ansatz des Wirtschaftsökonomen Walter Riester, der sich ganz einfach eine Sache überlegt hat: "Ich muss", so könnte sein Gedankengang gewesen sein, "die Menschen dazu kriegen, von dem wenigen Geld was sie haben, noch etwas für die private Altersvorsorge zur Seite zu legen. Wie kann ich das machen?" Die Lösung war einfach: Durch staatliche Förderungen. Nur wenn Menschen für sich einen finanziellen Mehrgewinn sehen, sind sie geneigt etwas zu unternehmen.
Das Ergebnis war die Riester-Rente, die seit dem Jahre 2009 auch als Riester-Darlehen oder Riester-Bausparen genutzt werden kann.
Riester-Bausparen Informationen :
- 1. Riester-Bausparen - Die Vorgeschichte
- 2. Was ist "Riestern"?
- 3. Wer ist förderfähig?
- 4. Was hat Bausparen mit Altersvorsorge zu tun?
- 5. Rechenbeispiel: Riester-Bausparen
- 6. Das Wohnförderkonto
- 7. Kapitalübertragung auf's Riester-Bausparkonto
- 8. Welche Vorteile bringt das Riester-Bausparen?
- 9. Welche Bedingungen gibt's für die Förderung?
- 10. Gibt es Nachteile des Riester-Bausparens?
- 11. Was passiert im Fall von Insolvenz / Hartz IV?
- 12. Wo gibt es den besten Riester-Bausparvertrag?
- 13. Was gibt es beim Abschluss noch zu beachten?
- 14. Zusammenfassung Riester-Bausparen
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